Zwischen Deko, Geschirr & Kerzen: Der Alltag als Boutique-Einkäuferin

Beitrag vom 8. August 2025

Einkäuferin Rosemarie Fröhlke an ihrem Schreibtisch bei Möbel Heinrich

Wohin zieht es Sie am ehesten, wenn Sie durch ein Möbelhaus bummeln? Die meisten werden jetzt wohl liebevoll sagen: „In die Deko- und Kleinkram-Abteilung.“ Dazu gehören Wandbilder, Vasen, Kerzen, Figuren, Haushaltswaren … aber auch Geschirr und Küchenutensilien. Im Fachjargon nennen wir diesen beliebten Bereich unserer Filialen „Boutique“. Was viele nicht wissen: Es ist ein ziemlich langer Weg, bis all die Produkte bei uns im Regal stehen. Rosemarie Fröhlke verantwortet als Einkäuferin die Auswahl der einzelnen Waren, ist auf Messen unterwegs und packt auch mal bei Umbauarbeiten mit an. Ich habe sie besucht, um mehr über ihren Arbeitsalltag zu erfahren.


Welche Einstellung braucht man als Einkäuferin im Bereich Boutique?

Dass tägliches Shoppen glücklich macht, sehe ich Rosemarie Fröhlke auf Anhieb an. Sie strahlt übers ganze Gesicht, als ich ihr Büro in der Möbel Heinrich Zentrale betrete. Hier hat sie zwar ihren eigenen Raum – doch die Tür zum Nachbarzimmer, in dem zwei ihrer Kolleginnen sitzen, ist fast immer offen.

„Ich hab ein tolles Team!“, schwärmt sie. „Als Einkäuferin suche ich zwar die Ware aus, aber mein Team legt alles im System an. Bei uns sollte jeder alles rund um den Einkauf können. Das ist mir wichtig.“

Viele Fragen brauche ich Rosemarie Fröhlke gar nicht zu stellen. Sie ist so begeistert von ihrem Job, dass sie gleich munter drauflos erzählt: „Man muss ein ganz dickes Fell haben als Einkäuferin.“ Warum das so ist, verrät sie mir später noch.

„Ich bin sehr viel im Internet unterwegs: auf Instagram und Facebook zum Beispiel. Da schau ich dann, was die Menschen gerade inspiriert. Aber das ist längst nicht alles. Mittlerweile macht das wohl schon mein Unterbewusstsein … auch im privaten Rahmen. Sehe ich eine Kochsendung, achte ich auf die Haushalts- und Küchenprodukte. Gehe ich spazieren, schau ich mir die Vorgärten und die Fenster an. Womit dekorieren die Leute ihr Grundstück und die Wohnung? Was mögen sie gerade? Und bummle ich selbst durch die Geschäfte, gucke ich natürlich auch hier, was die anderen denn so anbieten. Ich muss einfach wissen, was bei allen Altersklassen Trend ist.“

Die Voraussetzungen, um eine gute Einkäuferin zu sein? „Man muss das lieben!“, antwortet Rosemarie Fröhlke überzeugt. „Und natürlich denke ich immer für den Verkauf mit.

Die Boutique-Abteilung unserer Stadthäger clevva-Filiale
Bei der Neueinrichtung der Stadthäger clevva-Filiale hat Rosemarie Fröhlke direkt selbst Hand angelegt.

Warum es gut ist, nicht direkt im Einkauf zu starten

Die verschiedenen Stationen, die Rosemarie Fröhlke bereits durchlaufen hat

„Ich bin seit 2008 bei Möbel Heinrich und habe damals noch beim Senior (Gründer Heinrich Struckmann) gelernt. Das war eine richtig gute, aber auch harte Schule. Er war absolut menschlich, zwischen Sonne und Gewitter. Unseren Senior gab’s nur einmal. Wir hatten alle viel Respekt vor ihm und standen zu 100 % hinter ihm. Ich bin ihm sehr dankbar für das, was ich alles gelernt habe über die Jahre“, erzählt Rosemarie Fröhlke.

„Angefangen habe ich in Bad Nenndorf in der Filiale. Dann ging es nach Kirchlengern, um dort den Standort aufzubauen. Ein Jahr lang war ich in Hameln, dann auch mal ein Jahr im Büro in Stadthagen. Ich habe clevva mit umgebaut, die Hamelner Filiale ebenfalls. Ich kannte immer alle Hausleiter, … wusste genau, wie die Märkte aussehen. Das macht es mir bis heute leichter, wenn ich neue Ware bestelle. Die Häuser sind alle ganz unterschiedlich – jedes hat seine Stärken und Schwächen, das ist so toll!“

Zeigt also, dass Einkauf-Teams ruhig auch mal an der Front mitwirken sollten. Da, wo das Leben spielt. Wo die Kunden sind: hier mit einem Strahlen in den Augen, und da mit einem kritischen Blick. All diese Facetten mitzuerleben, macht heute Rosemarie Fröhlkes Erfahrungsschatz und Know-how aus.

Wenn eine Einkäuferin shoppen geht

„Am Anfang steht immer die Frage: Welchen Kunden spreche ich an? Möbel Heinrich richtet sich an markenbewusste Menschen mit etablierten Haushalten, während clevva eher junge Leute anspricht, die vielleicht zum ersten Mal in eine eigene Wohnung ziehen“, erklärt Rosemarie Fröhlke.

„Dann gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder kommen die Händler hier zu uns in die Zentrale und präsentieren ihre Muster. Oder ich fahre zur Messe bzw. zu einem Showroom. Die Franktfurter Messe findet beispielsweise immer zu Beginn des Jahres statt.“

Der „verführerische“ Besuch im Showroom

„Wie ist das denn so in einem Showroom?“, frage ich, da ich so etwas noch nie gesehen habe. Rosemarie Fröhlke grinst. „Das ist toll! Wenn man da durchgeht, muss man sich sehr zurückhalten, weil dort natürlich immer alles ganz großartig aufgebaut ist. Man wird schnell verführt“, erzählt sie und lacht. „Aber ich darf ja nicht nur nach meinem persönlichen Geschmack gehen. Ich muss da sehr breit denken, die Preise kalkulieren und unsere Standorte im Sinn behalten.“

Wenn sie dann wieder im Büro ist, streicht sie so manche geplante Bestellung wieder raus. „Hier sind die Emotionen wieder neutraler als im Showroom. Dann schau ich mir die ausgesuchten Produkte noch einmal ganz in Ruhe an und überlege, ob sie auch wirklich stimmig sind.“

Dabei habe sie immer die vier Häuser im Kopf. „Bad Nenndorf und Kirchlengern stehen für mich auf einer Stufe. Die haben eine große Boutique-Fläche und somit auch einen starken Verkauf. Hameln ist mit Steinheim vergleichbar. Die Fläche ist kleiner und ich muss weniger Ware organisieren.“

Rosemarie Fröhlke liebt als Einkäuferin den Besuch von Showrooms
Einige Showrooms sehen aus wie ein ganz normales Geschäft.
Als Einkäuferin darf Rosemarie Fröhlke immer wieder neue Deko aussuchen
Die nächste Weihnachtsdeko-Bestellung ist schon einmal gesichert.
Die Qual der Wahl: Welche Kunstblume darf ins Sortiment?
Eine ganze Wand voller Kunstblumen: Gar nicht so leicht, sich hier für ein paar Modelle zu entscheiden.

Einige Händler lassen nicht locker

Vertreter, die uns direkt vor Ort ihre Ware präsentieren, möchten natürlich gerne möglichst viel verkaufen. „Als ich mal einige Produkte abgelehnt habe, meinte der Vertreter zu mir: ‚Sie gehen an Ihrem Glück vorbei!‘ Aber wir müssen immer bedenken: Wir sind Möbel Heinrich. Das ist hier eine eher ländliche Region. Und wenn es in Richtung Hannover geht, gibt es dort viele Kunden, die häufig umziehen, flexibel bleiben müssen. Da passt einfach nicht jedes Produkt.“

In solchen Situationen müsse man eine dicke Haut haben, meint Rosemarie Fröhlke.

Die kleinen und großen Herausforderungen des Einkaufs

„Mittlerweile darf ich bei der Bestellung von Weihnachtsdeko keine Zeit mehr verlieren. Ich ordere die Ware schon im Januar im September kommt sie dann an.“ Der Grund für diese großen Zeiträume? „Ganz viele Produkte stammen aus China. Früher sind die Schiffe durch den Suezkanal gefahren. Da es aber immer häufiger zu Angriffen durch Rebellen kommt, nehmen die Reedereien riesige Umwege in Kauf. Das dauert bis zu sechs Monate! Natürlich würden wir am liebsten alles mit dem Prädikat ‚Made in Germany‘ bewerben. Aber das ist einfach nicht mehr umsetzbar, denn Qualität aus Deutschland hat auch ihren Preis.“

Auch wenn es um Nachbestellungen und Abverkäufe geht, haben Rosemarie Fröhlke und ihr Team alle Hände voll zu tun. „Wir sind an vielen Schauplätzen tätig: Zum einen dürfen die Lagerbestände nicht zu hoch sein. Zum anderen sollen in den Regalen der Filialen keine Lücken entstehen. Ist ein Abverkauf geplant, kann ich aber erst dann neue Ware bestellen, wenn etwas anderes schon weg ist und wir Platz haben. Das ist die Kunst des Einkaufs. Zum Glück funktioniert das immer richtig gut. Die Kommunikation mit den Bereichsleitern ist ganz eng.“ Dann ergänzt sie noch: „Seit unser Junior-Chef Jonas Struckmann mit dabei ist, hat sich auch nochmal viel getan. Die Zusammenarbeit klappt wunderbar!“


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Verfasst aus unserem Team von

Melina

Melina ist seit Oktober 2023 eine der Stimmen unseres Online-Magazins. Als Content-Spezialistin arbeitet sie eng mit unseren erfahrenen Einrichtungsberatern zusammen und übersetzt deren Fachwissen in inspirierende Artikel und nützliche Tipps für Ihr Zuhause. In ihrer Freizeit ist sie meist auf dem Rad oder im Wald beim Geocaching unterwegs.

Beitragsautorin Melina